Gaestebuch der Seiten der FuTT der NVA
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Name : Jürgen Krause
Email : post@karinundjuergen.de
Homepage : Keine Homepage angegeben.
ICQ : Keine ICQ UIN angegeben.
Datum : 21.04.18 - 13.46

Text : Am Montag fahren wir wieder einmal in den Spreewald. Wir lieben das Leinöl aus einer bestimmten Mühle. Wenn ich - fast am Ziel - die ersten Wasserarme ins Blickfeld bekomme, fällt mir jedes Mal folgende Geschichte ein, die sich in jener fernen Zeit ereignete, da es noch die DDR mit ihrer Nationalen Volksarmee, die Funktechnischen Truppen der Luftstreitkräfte und leider noch kein GPS gab: Wir Funkorter, Planzeichner, Techniker und zum Polieren der (fast) nie in Betrieb genommenen Stations-LKW’s verdammten Kraftfahrer sollten mal eine richtige armeetypische Übung absolvieren. Der dafür ausgedachte Krieg fand an einem Samstag nach dem Frühstück - natürlich nicht so weit weg – im Spreewald statt. Die Idee war: Die „kämpfende Truppe“ – 10 Soldaten und ein Gruppenführer - wird im unbekannten Gebiet ausgesetzt, bekommt einen Kompass und einen Zettel mit Entfernungen und Marschrichtungszahlen (MRZ) in die Hand gedrückt. Zwei Mann betätigen sich als Schrittzähler, ein weiterer starrt auf den Kompass und der Rest stapft meckernd hinterher. Also: Zunächst 100 m, umzurechnen aus Doppelschritten, nach MRZ X, dann 150 m nach MRZ Y und so weiter. Immer schön im Zickzack durch den Rand des Spreewaldes, der dort, seinem Namen zum Trotz, nur aus baumloser Einöde besteht. Wir gaben unser Bestes, eine Zeit für die Rückkehr zu unserem Posten in Striesow – zu diesem sollte uns der Zettel führen - war auch genannt worden. Wir liefen, die Sonne schien – wir liefen nach zick, dann wieder nach zack – die Sonne schien immer noch. Vielleicht wären wir noch sehr lange gelaufen. Nun heißt der Spreewald aber auch so, weil die Spree durch ihn fließt. Und das letzte „Zack“ führte uns direkt an deren Ufer, ohne dass weit und breit eine Brücke auszumachen war. In modernen Filmen über moderne Soldaten waten diese dann durch solche Hindernisse oder der Requisiteur hat Bäume hingestellt, zwischen denen sie ein Seil spannen und sich hinüber hangeln. Wir waren nicht in der modernen Zeit, hatten kein Seil, keine Bäume und wollten unsere trockenen Socken trocken behalten. Außerdem peinigte uns der Hunger, wir sollten ja schon längst zurück sein. Nach einigem ratlosen Hin und Her gaben wir auf: „Wir rufen Hilfe“. Es war 1965, die Kreuzritter kamen meines Wissens einige Jahre vor uns auch ohne GPS und Mobiltelefon bis Jerusalem. Wir waren ebenfalls im Krieg, hatten unsere mit Platzpatronen geladenen Kalaschnikows umhängen. Dauerfeuer am Spreeufer. Dass wir die Magazine völlig leer geschossen haben, glaube ich nicht. Was ich dagegen noch sicher weiß, ist, dass die auf uns „daheim“ Wartenden gute Ohren hatten, nach geraumer Zeit ein LO (der geländegängige kleine LKW) am Horizont auftauchte und wir für das Absolvieren dieser „Übung“ wohl ein kalt gewordenes Mittagessen aber keinen Sonderurlaub bekamen.


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