Gaestebuch der Seiten der FuTT der NVA
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Name : Jürgen Krause
Email : post@karinundjuergen.de
Homepage : Keine Homepage angegeben.
ICQ : Keine ICQ UIN angegeben.
Datum : 15.02.20 - 13.20

Text : Hallo Veteranen, beim Kramen in Erinnerungen, machte es heute bei 1965 "Klick". Unter der Überschrift "Ölkrise" fand ich Folgendes: Die NVA war für ihre ständige Gefechtsbereitschaft selbst verantwortlich und unterhielt im thüringischen Altenburg eine Kfz-Werkstatt, die sich auf die Instandsetzung der robusten russischen SIS-LKW spezialisiert hatte. Eines unserer Fahrzeuge, welche Technik sich in seinem Koffer verbarg, weiß ich nicht mehr, hatte die erforderlichen Arbeiten absolviert und stand zur Abholung bereit. Von Striesow nach Altenburg sind es etwa 240 km, der überwiegende Teil der Strecke lässt sich auf der Autobahn bewältigen. Das Thema „Stau“ war 1965 noch keins. In aller Herrgottsfrühe fuhren unser Kfz-Gruppenführer (Ufw.D),ein Kraftfahrer(Gefr. H.) und ich mit einem LO 2500 los. Mein Navi gibt mir heute für die Strecke 2 Stunden und 30 Minuten. Außer keinem Stau gab es 1965 auch noch kein Navi, wir waren gegen Mittag in der Skatstadt, gingen irgendwo irgendwas essen und meldeten uns danach in der Dienststelle. Die Übernahme war schnell abgeschlossen und der Minikonvoi konnte sich in Richtung Spreewald auf den Weg machen. Angewiesen war für den generalüberholten Motor eine stark verminderte Höchstgeschwindigkeit. D. fuhr mit dem LO vor uns her, H. begeisterte sich am SIS-Motorengeräusch und ich genoss neben ihm auf der breiten Lederbank die Fahrt in den Nachmittag. Von Zeit zu Zeit sahen wir den LO auf den damals noch bescheidenen kleinen Rastplätzen auf uns warten, alles war gut. So lange, bis mein Fahrer erschreckt auf die Öldruckanzeige wies. Das analoge Anzeigeinstrument „масло“ war auf Null gefallen. Wir hielten am Rand der Autobahn, zogen den Ölmessstab. Das Niveau war vorschriftsmäßig. Wir öffneten einen Ventildeckel und sahen, wie dort bei laufendem Motor das Öl spritzte. Also eigentlich alles in Ordnung – bis auf die verdammte Anzeige. Irgendwann war D. von der Autobahn abgefahren, hatte gewendet, uns gesucht und später gefunden. Gemeinsam beschlossen wir, mit noch niedrigerer Drehzahl weiterzufahren, aber vorsichtshalber an der nächsten Tankstelle Öl zu besorgen. Nun lebten wir in einer Zeit, in der legiertes Motoröl, genannt HD-Öl , in der DDR gerade so bekannt geworden war. Bei der NVA, also auch bei unserem SIS, war es im Einsatz. Bei der jetzt begonnenen Suche merkten wir aber ganz schnell, dass wir damit noch eine Ausnahme darstellten. Eine Mischbarkeit mit herkömmlichem Mineralöl galt als ausgeschlossen. Der erste Anlaufpunkt, die Autobahntankstelle Freienhufen, musste passen. Aber es gab Tipps, wo wir „Glück“ haben könnten. Im Braunkohlebezirk um Senftenberg sollte es Tankstellen geben, die die gesuchte Spezialität im Angebot hätten. Mittlerweile war es dunkel geworden, die Fahrt machte immer weniger Spaß. Uns plagte der Hunger, die Ungewissheit und das Unbehagen, das Fahrzeug zu schädigen, drückten auf die Stimmung. Um es kurz zu machen: Wir bekamen auf unserer Suche weder das begehrte Öl, noch was zu essen und kamen am späten Abend hungrig und todmüde aber mit einem (bis auf das defekte Anzeigeinstrument) unbeschädigten SIS in Striesow an. Übrigens, ein originales „масло“ –Anzeigeinstrument wurde kürzlich bei e-bay für 29,95 Euro angeboten.


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